UGC-Videos: Was sie sind, was sie kosten und wie Betriebe in Österreich sie nutzen
UGC-Videos sind kurze Hochkant-Videos im Stil von „User Generated Content“: Eine Person spricht direkt in die Handykamera und zeigt oder erklärt ein Produkt oder eine Leistung. Ursprünglich meinte UGC Inhalte, die Kundinnen und Kunden freiwillig selbst erstellen. In der Werbung bezeichnet der Begriff heute meist Videos, die im Auftrag eines Unternehmens entstehen, aber bewusst so aussehen wie ein privates Handyvideo.
Dieser Ratgeber erklärt, wie sich UGC von Influencer-Marketing unterscheidet, welche Preise derzeit üblich sind und wie kleine und mittlere Betriebe in Österreich das Format sinnvoll einsetzen.
Was bedeutet UGC genau?
UGC steht für User Generated Content, also nutzergenerierte Inhalte. Gemeint sind Fotos, Videos, Bewertungen oder Kommentare, die nicht von der Marke selbst stammen, sondern von Menschen außerhalb des Unternehmens. Ein klassisches Beispiel ist die Kampagne „Share a Coke“, bei der Kundinnen und Kunden Fotos von Flaschen mit ihrem Vornamen teilten (Kolsquare).
Im heutigen Werbealltag haben sich zwei Bedeutungen etabliert:
- Organischer UGC: Echte Kundinnen und Kunden posten freiwillig über ein Produkt. Das Unternehmen fragt um Erlaubnis und teilt die Inhalte weiter.
- Beauftragter UGC: Ein Unternehmen bezahlt Creator dafür, Videos im UGC-Stil zu produzieren. Diese Videos laufen meist als Werbeanzeige auf Instagram, TikTok oder Facebook, nicht auf dem Kanal des Creators.
Wenn Agenturen und Plattformen von „UGC-Videos“ sprechen, meinen sie fast immer die zweite Variante.
Worin unterscheidet sich UGC von Influencer-Marketing?
Der wichtigste Unterschied ist die Reichweite. Bei Influencer-Marketing bezahlt man für den Zugang zur Community eines Creators: Das Video erscheint auf dessen Kanal. Bei UGC bezahlt man für das Video selbst. Wer es sieht, bestimmt das Unternehmen über die eigenen Kanäle und das Werbebudget.
Deshalb brauchen UGC-Creator keine große Followerzahl. Der US-Branchenverband IAB behandelt UGC im Marketing entsprechend als eigene Disziplin, getrennt vom Influencer-Marketing (IAB).
Warum funktionieren UGC-Videos in der Werbung?
UGC-Videos sehen aus wie die Inhalte, die Menschen ohnehin in ihrem Feed sehen. Sie unterbrechen das Scrollen weniger stark als eine klassische Hochglanz-Anzeige. Drei Eigenschaften sind dabei entscheidend:
- Der Hook: Die ersten ein bis drei Sekunden entscheiden, ob jemand stehen bleibt. Ein guter Einstieg ist eine konkrete Frage, ein Problem oder eine überraschende Aussage.
- Das Gesicht: Eine Person, die direkt in die Kamera spricht, wirkt persönlicher als eine Produktaufnahme mit Musik.
- Das Format: 9:16 hochkant, mit Untertiteln, weil viele Videos ohne Ton angesehen werden.
Ob ein bestimmtes Video besser abschneidet als eine andere Anzeige, lässt sich nicht vorhersagen. Es zeigt sich erst im Test mit echtem Werbebudget. Deshalb arbeiten viele Werbetreibende mit mehreren Hook-Varianten pro Video.
Was kostet ein UGC-Video?
Die Preise hängen davon ab, ob man direkt mit Creatorn, über eine Plattform oder über eine Agentur arbeitet. Einige öffentlich genannte Werte (Stand Oktober 2026, jeweils Angaben der Anbieter):
| Quelle | Angabe | Hinweis |
|---|---|---|
| Influee (Plattform) | rund 83 € als Durchschnitt für ein 30-Sekunden-Video in Österreich | Durchschnitt aus eigenen Kampagnen der Plattform, dazu ein Abo |
| Influee-Creatorprofile | einzelne Creator in Österreich ab rund 24 € bis knapp 70 € pro Video | schwankt je nach Profil und Zeitpunkt |
| OMR über Speekly | 79 € bis 119 € pro Video (Stand 2023) | Plattform mit deutschsprachigen Creatorn |
Zu diesen Videopreisen kommen oft weitere Kosten: Produktversand (häufig ohne Rücksendung), Abo- oder Plattformgebühren, Nutzungsrechte für Werbung, zusätzliche Hook-Varianten und eigene Zeit für Briefing und Abstimmung.
Richtwert, keine Studie: Für ein einzelnes, fertig geschnittenes Werbevideo mit Untertiteln und Werberechten sollten kleine Betriebe in Österreich mit einem niedrigen bis mittleren dreistelligen Betrag rechnen, wenn Skript und Schnitt nicht selbst erledigt werden. Agenturen mit Strategie, Dreh vor Ort und Kampagnenbetreuung liegen deutlich darüber.
Zum Vergleich: Bei ugcvideos.at, einem Angebot von TonitalMedia, kostet ein KI-generiertes UGC-Video ab 99 € netto. Die vollständige Preisliste steht unter Preise. Wie sich KI-UGC von Videos mit echten Creatorn unterscheidet, erklärt der Ratgeber KI-UGC oder echte Creator?.
Welche Rechte brauche ich für UGC-Videos?
Wer ein Video als Werbeanzeige schaltet, braucht die Nutzungsrechte für Werbung. Bei organischem UGC liegen die Rechte bei der Person, die das Video erstellt hat. Ein „Teilen“-Button ersetzt keine Zustimmung. Bei beauftragten Videos sollte schriftlich geklärt sein:
- auf welchen Kanälen das Video laufen darf (Ads, Website, eigene Social-Media-Kanäle),
- wie lange die Nutzung erlaubt ist,
- ob das Video bearbeitet oder gekürzt werden darf.
Außerdem gilt: Bezahlte Videos dürfen nicht so tun, als wären sie unabhängige Kundenmeinungen. Erfundene Erfahrungsberichte gelten als irreführende Werbung.
Wie nutzen Betriebe in Österreich UGC-Videos?
UGC ist nicht nur ein Format für Onlineshops. Auch Betriebe ohne Versandprodukt setzen es ein:
- Onlineshops: Produkt in 30 Sekunden erklären, typische Fragen beantworten, Anwendung zeigen.
- Handwerksbetriebe: Leistung und Ablauf erklären, Förderungen einordnen, Lehrlinge und Fachkräfte ansprechen.
- Regionale Marken: Herkunft, Herstellung und Geschenkideen zeigen.
- Tourismus: Unterkünfte, Bergbahnen oder Erlebnisse aus Gästesicht beschreiben, Saisonangebote bewerben.
Gerade in Österreich spielt die Sprache eine Rolle. Ein Video in Wiener, Tiroler oder Salzburger Färbung klingt für ein regionales Publikum anders als bundesdeutsches Hochdeutsch. Ob ein Dialekt besser ankommt, hängt von Zielgruppe und Produkt ab. Für ein Hotel mit deutschen Gästen kann neutrales Deutsch passender sein als starker Dialekt.
Konkrete Ideen und Hook-Beispiele für diese Branchen sammelt der Ratgeber UGC für Handwerk, regionale Marken und Tourismus.
Wie läuft eine UGC-Produktion ab?
Unabhängig vom Anbieter folgen die meisten Produktionen diesem Schema:
- Briefing: Was ist das Produkt, wer ist die Zielgruppe, was soll die Person im Video tun (kaufen, anfragen, bewerben)?
- Skript und Hooks: Ein kurzer Ablauf mit Einstieg, Nutzen und Handlungsaufforderung. Dazu zwei bis fünf alternative Einstiege.
- Dreh oder Generierung: Bei echten Creatorn braucht es das Produkt vor Ort. Bei KI-UGC entfällt der Versand.
- Schnitt: Untertitel, Produktbilder, eventuell Texteinblendungen.
- Test: Mehrere Varianten mit kleinem Budget schalten, die besten weiter nutzen.
Welche Fehler sollte man vermeiden?
- Zu langer Einstieg: Logo, Begrüßung und Firmengeschichte vor dem eigentlichen Punkt kosten Aufmerksamkeit.
- Kein klares Ziel: Ein Video, das gleichzeitig Image, Recruiting und Verkauf abdecken soll, macht meist nichts davon gut.
- Nur ein Video testen: Ein einzelner Versuch sagt wenig darüber aus, ob das Format für den Betrieb funktioniert.
- Erfundene Erfahrungen: Ein Creator, der behauptet, das Produkt seit Jahren zu nutzen, obwohl das nicht stimmt, ist irreführend und rechtlich riskant.
Häufige Fragen
Was ist ein UGC-Video?
Ein kurzes Hochkant-Video, in dem eine Person direkt in die Handykamera spricht und ein Produkt oder eine Leistung zeigt. Es sieht aus wie ein privates Video, wird aber meist im Auftrag eines Unternehmens für Werbeanzeigen produziert.
Wie viel kostet ein UGC-Video in Österreich?
Plattformen nennen für Österreich Durchschnittswerte um 80 € für ein 30-Sekunden-Video, dazu kommen oft Abo, Versand und Rechte. Mit Skript, Schnitt und Werberechten liegen viele Angebote im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich (Richtwert).
Braucht ein UGC-Creator viele Follower?
Nein. Das Video läuft in der Regel über die Kanäle und das Werbebudget des Unternehmens. Entscheidend sind Ausdruck, Glaubwürdigkeit und ein gutes Skript, nicht die Reichweite des Creators.
Lohnt sich UGC für kleine Betriebe?
Das hängt davon ab, ob der Betrieb Werbeanzeigen schaltet oder schalten will. Für reine organische Posts ohne Budget ist der Nutzen kleiner. Ein Test mit wenigen Videos und mehreren Hooks zeigt am schnellsten, ob das Format passt.
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